Christliches Fasten heute: Regeln und Praxis von Aschermittwoch bis Ostern
Christliches Fasten liegt 2027 früh im Jahr: Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch, dem 10. Februar, und endet mit Ostern am 28. März. Dazwischen liegt der Karfreitag am 26. März. Wie streng Sie diese Wochen halten, hängt vor allem von Ihrer Kirche ab.
Die katholische Kirche hat wenige, dafür genau festgelegte Regeln. Evangelische Christen suchen sich ihren Verzicht selbst aus, orthodoxe Gemeinden fasten deutlich strenger, und in vielen Freikirchen ist das Daniel-Fasten verbreitet. Die Schritte unten führen vom Kalender über die Regeln Ihrer Kirche bis zum Speiseplan für einen Fasttag, und am Ende steht, wann Sie besser anpassen.
1. Tragen Sie die Termine 2027 in den Kalender ein
Die Fastenzeit heißt katholisch österliche Bußzeit, evangelisch Passionszeit, und sie beginnt 46 Tage vor Ostern. Die Sonntage gelten als kleine Osterfeste und sind vom Fasten ausgenommen, deshalb bleiben von Aschermittwoch bis Karsamstag genau 40 Fastentage. Die Zahl erinnert an die 40 Tage, die Jesus nach Matthäus 4,2 in der Wüste fastete. Welche Formen die Bibel sonst noch kennt, vom Trauerfasten bis zum Fasten einer ganzen Stadt, zeigt unser Überblick über die 12 Fastenarten in der Bibel.
Für 2027 merken Sie sich diese Tage:
- Aschermittwoch, 10. Februar: Beginn der Fastenzeit, das Aschenkreuz empfangen Sie in der Messe oder im Abendgottesdienst.
- Sonntag, 14. Februar: Das ZDF überträgt den Eröffnungsgottesdienst von „7 Wochen Ohne“ aus der Klosterkirche Walkenried.
- Palmsonntag, 21. März: Beginn der Karwoche.
- Karfreitag, 26. März: zweiter strenger Fasttag der katholischen Kirche und gesetzlicher Feiertag in ganz Deutschland.
- Ostersonntag, 28. März: Ende der Fastenzeit.
Orthodoxe Gemeinden berechnen Ostern nach dem julianischen Kalender. Ihre Große Fastenzeit beginnt 2027 am Reinen Montag, dem 15. März, Ostern feiern sie am 2. Mai.
2. Kennen Sie die katholischen Fastenregeln
Das Kirchenrecht regelt das Fasten in den Canones 1249 bis 1253 des Codex Iuris Canonici. Bußzeiten sind demnach alle Freitage des Jahres und die österliche Bußzeit. Die Deutsche Bischofskonferenz hat diese Vorgaben 1995 in einer eigenen Norm für Deutschland ausgestaltet. Die Tabelle zeigt, was daraus folgt:
| Regel | Für wen | Was das konkret heißt |
|---|---|---|
| Fasten am Aschermittwoch und Karfreitag | Volljährige ab 18 bis zum Beginn des 60. Lebensjahres | Nur einmal am Tag satt essen; eine kleine Stärkung morgens und abends bleibt erlaubt |
| Abstinenz am Aschermittwoch und Karfreitag | Alle ab dem vollendeten 14. Lebensjahr | Keine Fleischspeisen; Fisch, Eier und Milchprodukte sind erlaubt |
| Freitagsopfer an den übrigen Freitagen | Alle ab 14 Jahren | Verzicht auf Fleisch oder ein spürbares anderes Opfer, etwa weniger Konsum, Hilfe für andere oder Gebet |
| Freitag mit Hochfest | Alle | Das Freitagsgebot entfällt, 2027 zum Beispiel am Freitag, dem 19. März, dem Hochfest des heiligen Josef |
| Fastenopfer | Alle, nach den eigenen Möglichkeiten | Eine spürbare Spende für Hungernde und Notleidende am Ende der Fastenzeit, oft über die Misereor-Kollekte |
Einen Tag ganz ohne Essen verlangt das Kirchenrecht also nirgends. Kinder und Jugendliche unter 18 sind vom Fasten befreit; Eltern und Seelsorger sollen sie trotzdem an den Sinn der Buße heranführen. Sind Sie krank oder schwanger, sprechen Sie mit Ihrem Pfarrer: Nach can. 1245 darf er aus gerechtem Grund im Einzelfall von einem Bußtag befreien oder ihn in ein anderes gutes Werk umwandeln.
3. Evangelisch fasten: Wählen Sie Ihren Verzicht mit 7 Wochen Ohne
Die evangelische Kirche kennt keine Fastenpflicht. Martin Luther schätzte das Fasten als „feine äußerliche Zucht“ und lehnte zugleich die Vorstellung ab, man könne sich damit etwas bei Gott verdienen. Worauf Sie verzichten, entscheiden Sie also selbst. Seit über 40 Jahren lädt die Aktion „7 Wochen Ohne“ dazu ein, zwischen Aschermittwoch und Ostern eine Gewohnheit zu unterbrechen. Das Motto für 2027 lautet „Probier’s mal! Sieben Wochen ohne Aber“. Ein Fastenkalender begleitet die 47 Tage, jede Woche hat ein eigenes Thema, und in vielen Gemeinden treffen sich Fastengruppen.
Formulieren Sie Ihren Vorsatz so, dass Sie am Abend wissen, ob Sie ihn gehalten haben. „Weniger Süßes“ hält selten bis Ostern. „Keine Schokoriegel aus dem Automaten im Büro, Kuchen nur sonntags“ lässt sich überprüfen, genauso wie „kein Handy nach 21 Uhr“. Viele nehmen die Sonntage nach alter Tradition aus, für manche macht genau das die sieben Wochen erst machbar.
4. Orthodox und freikirchlich: Wenn Sie pflanzlich fasten
Orthodoxe Christen, in Deutschland etwa in griechischen, serbischen, rumänischen oder russischen Gemeinden, halten die strengste Form. In der Großen Fastenzeit verzichten sie rund 48 Tage auf Fleisch, Milchprodukte und Eier, an vielen Tagen auch auf Fisch, Olivenöl und Wein. Freikirchliche Gemeinden laden häufig zum Daniel-Fasten mit reiner Pflanzenkost ein, oft drei Wochen im Januar; wie Sie das planen, steht in unserem Ratgeber zum Daniel-Fasten.
Zu diesen pflanzlichen Fastenzeiten gibt es mehr Daten als zum katholischen Fasttag. Eine griechische Übersichtsarbeit fasste 2017 zehn Studien zum orthodoxen Fasten zusammen. Gesamt- und LDL-Cholesterin sanken durchweg, in einzelnen Studien um bis zu 18 beziehungsweise 31 Prozent. Beim schützenden HDL blieb das Bild unklar, und zu Gewicht und Blutzucker ließ sich wegen widersprüchlicher Ergebnisse nichts sagen. Die Autoren weisen auf eine möglicherweise geringere Zufuhr von Vitamin D, Vitamin B12 und Calcium hin.
Eine Studie mit 99 orthodoxen Christen in den USA fiel nüchterner aus. Pro Portion Fleisch, Milchprodukte oder Eier, die wegfiel, sank das Gesamtcholesterin im Mittel um 3,7 Prozent, das HDL aber ebenfalls um 3,2 Prozent, sodass sich das Verhältnis der beiden nicht signifikant verbesserte. Mit Körperfett, Blutzucker, Insulin und einem Entzündungswert hing der Verzicht nicht zusammen. Auch beim 21-tägigen Daniel-Fasten fiel in einer kleinen Studie neben dem LDL das HDL, das Gewicht änderte sich nicht signifikant.
Wenn Sie pflanzlich fasten, planen Sie zu jeder Hauptmahlzeit Linsen, Bohnen oder Kichererbsen ein, dazu Calcium aus einem angereicherten Haferdrink oder einem calciumreichen Mineralwasser. Ob Ihr Linsencurry genug Eiweiß liefert, schätzt der Mahlzeiten-Scan in FastTrack aus einem Foto. Fasten Sie mehrmals im Jahr so, lassen Sie B12 und Vitamin D in der Hausarztpraxis prüfen.
5. Christliches Fasten im Alltag: Wählen Sie Ihre Form
Wählen Sie die Form, die Sie sieben Wochen lang neben Arbeit und Familie durchhalten können. Eine kleine Regel, die Sie ernst nehmen, trägt weiter als ein großer Plan.
| Ihre Lage | Passende Form | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Sie möchten die katholische Ordnung halten | Fasttage am 10. Februar und 26. März, freitags ohne Fleisch | Die Hauptmahlzeit fest einplanen, Fisch und Eier sind erlaubt |
| Sie wollen eine Gewohnheit ändern | Ein klar umrissener Verzicht im Sinn von „7 Wochen Ohne“ | Konkret formulieren und vorher klären, ob die Sonntage zählen |
| Sie möchten körperlich spürbar fasten | Pflanzliche Wochen nach orthodoxem Vorbild oder Daniel-Fasten | Hülsenfrüchte, Calcium und B12 im Blick behalten |
| Sie möchten feste Essenszeiten üben | Intervallfasten an Werktagen, etwa 16:8 | Mit 12 Stunden beginnen und langsam verlängern |
| Sie nehmen Diabetes-Medikamente oder hatten eine Essstörung | Ein Verzicht ohne Bezug zum Essen, etwa Handy oder Serien am Abend | Vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen |
Manche verbinden die Passionszeit mit Intervallfasten, weil der feste Rhythmus dem Verzicht einen Rahmen gibt. Wie Sie dafür Ihre Essenszeiten an Arbeitstage anpassen, zeigt unser Intervallfasten 16:8 Plan. Der Timer in FastTrack startet und beendet das Fasten dabei automatisch nach Ihrem Plan. Das bleibt eine persönliche Ergänzung; kirchlich vorgeschrieben ist es in keiner Konfession.
6. So gelingt ein Fasttag am Aschermittwoch oder Karfreitag
Eine einzige sättigende Mahlzeit passt gut zu einem normalen Arbeitstag. Legen Sie sie dorthin, wo Sie sie am meisten brauchen, für die meisten in die Mittagspause. Ein Beispiel:
- 7 Uhr: Kaffee oder Tee und eine kleine Stärkung, etwa eine Scheibe Vollkornbrot mit Frischkäse oder 150 g Naturjoghurt mit einem halben Apfel.
- 12:30 Uhr, die Hauptmahlzeit: am Aschermittwoch klassisch Heringsstipp mit Pellkartoffeln, Apfel und Gewürzgurke, am Karfreitag eine Forelle mit Salzkartoffeln und Rahmspinat. Essen Sie sich in Ruhe satt.
- 18:30 Uhr: etwas Kleines, zum Beispiel ein Teller Gemüsebrühe mit einer Scheibe Knäckebrot.
- Über den Tag: Wasser und ungesüßter Tee nach Bedarf, denn die Regeln betreffen die Speisen.
Mögen Sie keinen Fisch, nehmen Sie Pellkartoffeln mit Kräuterquark und Leinöl oder eine Linsensuppe ohne Würstchen. An den übrigen Freitagen helfen Gerichte, die ohnehin ohne Fleisch auskommen: Kartoffelsuppe, Käsespätzle, Pfannkuchen mit Apfelmus oder in der Pfalz Dampfnudeln mit Vanillesoße.
Am Ostersonntag endet die Fastenzeit mit dem Osterfrühstück. Haben Sie sieben Wochen auf Schokolade verzichtet, reichen für den Anfang ein paar Stücke vom Osterhasen.
7. Wann Sie anpassen oder ärztlich abklären sollten
Ein katholischer Fasttag ist mild, längere pflanzliche Fastenzeiten können aber Blutzucker und Blutfette verändern. Sprechen Sie in diesen Fällen vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt:
- Diabetes mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen: In einer Studie mit 125 Christinnen und Christen mit Typ-2-Diabetes in Ägypten, die die Fastenzeit hielten, sank der Nüchternblutzucker. 12,8 Prozent hatten Unterzuckerungen, häufigste Abbruchgründe waren zu hohe Werte und Flüssigkeitsmangel, und das LDL stieg sogar an. Lassen Sie die Dosis für Fasttage vorher anpassen und messen Sie öfter.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Ein Tag mit nur einer Hauptmahlzeit passt dann nicht. Ein fleischloser Freitag mit Eiern, Milchprodukten und Fisch ist meist unproblematisch, ebenso ein Verzicht ohne Bezug zum Essen.
- Essstörung, auch in der Vorgeschichte: Listen mit verbotenen Speisen können alte Muster wecken. Ein Verzicht auf Serien oder das Handy am Abend bewahrt den geistlichen Sinn, ohne das Essen zum Thema zu machen.
- Unter 18 Jahren: Das Kirchenrecht verlangt das Fasten erst ab 18. Jugendliche, die mitmachen möchten, verzichten auf Süßigkeiten oder Bildschirmzeit und essen weiter regelmäßig.
- Ältere und gebrechliche Menschen: Mit Beginn des 60. Lebensjahres endet die Fastenpflicht. Wer wenig Appetit hat, ungewollt abnimmt oder zu Stürzen neigt, lässt keine Mahlzeit ausfallen und wählt Gebet oder Besuche bei anderen als Fastenopfer.
Beenden Sie einen Fasttag und essen Sie normal, wenn Ihnen schwindlig wird, Sie zittern oder Herzrasen bekommen. Nach einer Ohnmacht lassen Sie sich untersuchen, außerhalb der Sprechzeiten über den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116117, im Notfall über die 112. Ein Fasten, das der Gesundheit schadet, verlangt auch die Kirche von niemandem.
Kurz zusammengefasst
Christliches Fasten beginnt 2027 am 10. Februar und endet an Ostern, dem 28. März. Katholisch verbindlich sind zwei Fasttage mit einer einzigen sättigenden Mahlzeit und das Freitagsopfer, evangelisch wählen Sie Ihren Verzicht frei. Pflanzliche Fastenzeiten senkten in Studien vor allem das Cholesterin, beim Gewicht waren die Ergebnisse uneinheitlich. Mit Diabetes-Medikamenten, in der Schwangerschaft oder nach einer Essstörung planen Sie das Fasten vorher mit Ihrer Praxis.
Häufige Fragen
Was darf man an Aschermittwoch und Karfreitag essen?
Katholiken ab 18 essen sich an diesen Tagen nur einmal satt, eine kleine Stärkung morgens und abends ist erlaubt. Ab 14 Jahren verzichten alle auf Fleisch. Fisch, Eier und Milchprodukte sind erlaubt.
Muss man in der Fastenzeit jeden Tag fasten?
Katholisch sind nur Aschermittwoch und Karfreitag Fasttage. An den Freitagen gilt das Freitagsopfer, meist der Verzicht auf Fleisch. Alles Weitere ist ein freiwilliger Vorsatz.
Zählen die Sonntage in der Fastenzeit mit?
Die Sonntage gelten als kleine Osterfeste und sind traditionell vom Fasten ausgenommen. Deshalb kommen von Aschermittwoch bis Karsamstag 40 Fastentage zusammen. Ob Sie Ihren persönlichen Vorsatz auch sonntags halten, entscheiden Sie selbst.
Wie fasten evangelische Christen?
Eine Fastenpflicht gibt es in der evangelischen Kirche nicht. Viele machen bei der Aktion „7 Wochen Ohne“ mit und verzichten von Aschermittwoch bis Ostern auf eine Gewohnheit. 2027 lautet das Motto „Probier’s mal! Sieben Wochen ohne Aber“.
Ab welchem Alter gilt das katholische Fastengebot?
Das Fasten gilt für Volljährige ab 18 bis zum Beginn des 60. Lebensjahres, der Verzicht auf Fleisch schon ab dem vollendeten 14. Lebensjahr. So regelt es can. 1252 des Kirchenrechts. Bei Krankheit oder Schwangerschaft kann der Pfarrer im Einzelfall davon befreien.
Nimmt man in der Fastenzeit ab?
Das lässt sich nicht vorhersagen. In Studien zum orthodoxen Fasten sank vor allem das Cholesterin, beim Gewicht waren die Ergebnisse widersprüchlich. Es hängt davon ab, worauf Sie verzichten und wie Sie vorher gegessen haben.
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FastTrack herunterladenMedizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und ersetzt keine professionelle ärztliche Beratung. Konsultieren Sie immer einen Arzt, bevor Sie einen Fasten- oder Ernährungsplan beginnen oder ändern, insbesondere wenn Sie an einer Vorerkrankung leiden, schwanger sind oder Medikamente einnehmen.
Quellen
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- Bloomer RJ, Kabir MM, Canale RE et al. (2010). Effect of a 21 day Daniel Fast on metabolic and cardiovascular disease risk factors in men and women. Lipids Health Dis, 9, 94. Auf PubMed ansehen
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