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Fasten nach Buchinger: vom Entlastungstag bis zum Aufbau

Beim Fasten nach Buchinger essen Sie mehrere Tage nichts Festes. Es gibt Wasser und Kräutertee, mittags eine Tasse Gemüsebrühe, abends ein Glas Saft und etwas Honig, zusammen rund 200 bis 250 Kilokalorien am Tag. Davor liegen ein oder zwei leichte Entlastungstage, danach einige Aufbautage, in denen Sie wieder langsam essen.

Die Methode ist in Deutschland seit rund hundert Jahren verbreitet, in Fastenkliniken genauso wie in Fastenkursen von Volkshochschulen und Kirchengemeinden. Die Schritte unten folgen der Reihenfolge, in der Sie eine Fastenwoche planen: von der Frage, ob sie zu Ihnen passt, bis zum ersten Butterbrot danach.

1. Verstehen Sie, was das Fasten nach Buchinger ausmacht

Der Arzt Otto Buchinger entwickelte die Methode, nachdem er nach eigenem Bericht durch langes Fasten von seinem Gelenkrheuma genesen war. Seine Nachkommen führen bis heute Fastenkliniken, unter anderem in Überlingen am Bodensee. Von dort stammt auch der größte Teil der Studien weiter unten.

Sie verzichten auf feste Nahrung, bekommen aber jeden Tag etwas Energie, Zucker und Salz aus Brühe, Saft und Honig. In einer Auswertung von 1.610 Fastenden der Klinik kamen Fastende mit Saft, Brühe und Honig auf 236 Kilokalorien und 56,5 g Kohlenhydrate am Tag. Dazu kommen zwei bis drei Liter Wasser und Tee, tägliche Bewegung und viel Ruhe.

Brühe und Saft ersetzen einen Teil der Salze, die Sie beim Fasten über die Nieren verlieren. Darin liegt der wichtigste Unterschied zum Fasten nur mit Wasser, das in unseren Tipps zum Wasserfasten beschrieben ist. Mit Intervallfasten hat Buchinger wenig gemein: Dort essen Sie jeden Tag, nur in einem kürzeren Zeitfenster.

2. Ordnen Sie ein, was die Studien gemessen haben

Die größte Studie begleitete ein Jahr lang 1.422 Gäste der Klinik in Überlingen, die 4 bis 21 Tage mit 200 bis 250 Kilokalorien täglich fasteten. Gewicht, Bauchumfang und Blutdruck sanken, der Blutzucker fiel in den unteren Normbereich, die Ketonkörper stiegen. 93,2 Prozent spürten nach eigenen Angaben keinen Hunger, Nebenwirkungen wurden bei weniger als einem Prozent gemeldet.

Eine zweite Auswertung mit 1.610 Fastenden derselben Klinik betraf den Blutdruck. Im Mittel fiel er von 126/81 auf 120/78 mmHg. Von denen, die Blutdrucksenker nahmen, setzten 23,6 Prozent die Tabletten während des Fastens ab, bei 43,5 Prozent wurde die Dosis verringert, mit täglicher Messung in der Klinik. Bei 69 Frauen mit sehr niedrigem Ausgangswert stieg der Blutdruck leicht.

Beide Auswertungen haben keine Kontrollgruppe, und die Autorinnen und Autoren arbeiten für die Klinik oder beraten sie. Kontrollierte Studien sind klein. In Berlin wurden 46 Menschen mit Typ-2-Diabetes ausgelost: sieben Tage Buchinger-Fasten mit 300 Kilokalorien aus Flüssigkeiten oder übliche Behandlung. 32 blieben bis zum Ende dabei. Nach vier Monaten lagen Blutdruck und Bauchumfang in der Fastengruppe niedriger und die Lebensqualität höher; beim Langzeitblutzucker HbA1c war der Unterschied nicht signifikant.

2026 testete ein Team der Klinik ein abgewandeltes Fünf-Tage-Programm für zu Hause mit rund 600 Kilokalorien an 64 gesunden Erwachsenen, ebenfalls ausgelost. Der Blutzucker sank, das körperliche Wohlbefinden stieg. Einen Monat später unterschieden sich Stoffwechselwerte im Blut und Darmflora nicht mehr von der Kontrollgruppe. Ob Heilfasten auf Dauer Krankheiten vorbeugt, hat bisher keine Studie gezeigt.

3. Prüfen Sie, ob Sie verzichten oder nur mit Arzt fasten sollten

Für gesunde Erwachsene ist eine Fastenwoche meist gut machbar. In diesen Situationen planen Sie nur mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, oder Sie verzichten:

  • Diabetes mit Insulin oder Tabletten: Ohne angepasste Dosis drohen Unterzuckerungen. Die Berliner Studie lief unter klinischer Betreuung.
  • Blutdrucksenker oder Entwässerungstabletten (Diuretika): Der Blutdruck fällt beim Fasten oft deutlich, Diuretika verstärken den Verlust von Wasser und Salzen. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab.
  • Gicht oder erhöhte Harnsäure: Die Harnsäure im Blut steigt beim Fasten, in der Klinikauswertung am stärksten bei ausgeprägter Ketose. Das kann einen Gichtanfall auslösen.
  • Herz- oder Nierenerkrankung: Bei Herzschwäche, Rhythmusstörungen oder eingeschränkten Nierenwerten fasten Sie, wenn überhaupt, in einer Klinik.
  • Verzichten Sie in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Untergewicht, bei einer Essstörung, auch wenn sie lange zurückliegt, und unter 18 Jahren.

Nehmen Sie andere Medikamente regelmäßig, besprechen Sie jedes einzelne vorher. Ihre Hausarztpraxis kann vor dem Start auch Nierenwerte, Blutsalze und Harnsäure bestimmen.

4. Entscheiden Sie: Klinik, Fastenkurs oder zu Hause

Eine Fastenklinik ist die sichere Wahl, wenn Medikamente angepasst werden müssen oder Sie länger als eine Woche fasten wollen. Für gesunde Einsteiger gibt es Fastenkurse mit ausgebildeter Fastenleitung, etwa an der Volkshochschule oder als Fastenwandern.

FrageFastenklinikFastenkursAllein zu Hause
Ärztliche KontrolleTäglich, mit BlutwertenÜber Ihre eigene PraxisNur, wenn Sie sie organisieren
Medikamente anpassenVor OrtVorher in der HausarztpraxisVorher in der Hausarztpraxis
DauerIn Studien 4 bis 21 FastentageMeist eine FastenwocheZum Start 3 bis 5 Fastentage
AlltagKomplette AuszeitLäuft weiter, Treffen am AbendLäuft weiter, Termine reduzieren
Passt fürVorerkrankungen, Medikamente, längeres FastenGesunde EinsteigerGesunde mit Fastenerfahrung

Zu Hause legen Sie die ersten beiden Fastentage am besten auf ein Wochenende, sie sind meist die zähesten. Sagen Sie jemandem in Ihrem Umfeld Bescheid und lassen Sie das Auto stehen, wenn Ihnen beim Aufstehen schwindlig wird.

5. Bereiten Sie sich mit Entlastungstagen vor

Ein oder zwei Entlastungstage erleichtern den Einstieg. Morgens gibt es Haferbrei mit geriebenem Apfel, mittags Naturreis mit gedünstetem Gemüse, abends Gemüsesuppe oder Pellkartoffeln mit Quark. Alkohol, Süßes und Wurst lassen Sie schon jetzt weg. Trinken Sie sonst viel Kaffee, reduzieren Sie ihn in der Woche davor, damit in den ersten Fastentagen keine Entzugskopfschmerzen dazukommen.

Kaufen Sie an diesen Tagen für die ganze Woche ein:

  • Gemüse für die Brühe: Möhren, Lauch, Knollensellerie, Kartoffeln, Petersilie
  • Saft ohne Zuckerzusatz, etwa Möhren-, Rote-Bete- oder naturtrüber Apfelsaft
  • Honig, Kräutertees wie Pfefferminze, Melisse oder Fenchel, stilles Wasser
  • Falls Sie den Darm entleeren wollen: Glaubersalz oder Bittersalz aus der Apotheke

6. Entscheiden Sie bewusst über die Darmentleerung

Klassisch beginnt der erste Fastentag mit Glaubersalz oder Bittersalz, in Wasser gelöst. Innerhalb weniger Stunden folgt Durchfall, der Darm ist leer. Danach sieht die Tradition alle zwei Tage einen Einlauf vor, mit der Begründung, der Hunger verschwinde so schneller.

Belegt ist das nicht: Studien, die Fasten mit und ohne Darmentleerung vergleichen, haben wir in PubMed nicht gefunden. Glaubersalz kostet Flüssigkeit und Salze und belastet den Kreislauf, gerade am ersten Tag. Bei Durchfall kann zudem die Wirkung von Tabletten unsicher werden, auch die der Pille. Manche Fastenleitungen setzen deshalb auf Sauerkrautsaft oder eingeweichte Trockenpflaumen an den Entlastungstagen, andere lassen die Darmentleerung ganz weg.

Mit einer Herz- oder Nierenerkrankung, mit Diuretika oder bei niedrigem Blutdruck nehmen Sie Glaubersalz und Bittersalz nur, wenn Ihre Praxis ausdrücklich zustimmt.

7. Gestalten Sie Ihre Fastentage

Die Fastentage folgen einem ruhigen Rhythmus. So kann einer zu Hause aussehen:

UhrzeitWasMengeKilokalorien, etwa
8 UhrKräutertee mit einem Teelöffel Honig2 Tassen25
12:30 UhrGemüsebrühe, abgesiebt, mit einer Prise Salz250 ml20 bis 40
14 UhrMittagsruhe mit Wärmflasche, danach Spaziergang45 bis 60 Minuten0
16 UhrTee mit einem Teelöffel Honig1 bis 2 Tassen25
18:30 UhrMöhren- oder Apfelsaft, mit Wasser verdünnt250 ml Saft70 bis 115
Über den TagWasser und ungesüßter Kräutertee2 bis 3 Liter0

In der Auswertung der 1.610 Fastenden hatten ab dem vierten Tag über 95 Prozent Ketonkörper im Urin. Wer nur Brühe trank, kam auf 72 statt 236 Kilokalorien und hatte eine stärkere Ketose. Eine stärkere Ketose ging dort mit einem stärkeren Anstieg der Harnsäure einher. Wie sich der Stoffwechsel Tag für Tag umstellt, zeigen die Phasen des Fastens.

Frieren, Kopfschmerzen und unruhiger Schlaf sind in den ersten Tagen häufig. Stehen Sie langsam auf. In FastTrack tragen Sie Wasser und Tee ein und sehen, ob Sie auf Ihre zwei bis drei Liter kommen.

Brechen Sie ab und trinken Sie Saft oder Brühe, wenn Ihnen schwarz vor Augen wird, Sie zittern oder Herzrasen bekommen. Nach einer Ohnmacht oder bei Brustschmerzen rufen Sie den Notruf 112, bei anhaltenden Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten den Bereitschaftsdienst unter 116117.

8. Brechen Sie das Fasten und planen Sie die Aufbautage

Traditionell endet das Fasten mittags mit einem Apfel, roh oder gedünstet, den Sie in kleinen Bissen über eine Viertelstunde essen. In den Klinikstudien dauerte der Kostaufbau vier Tage; nach einer Fastenwoche zu Hause planen Sie drei bis vier Aufbautage ein.

  • Aufbautag 1: mittags der Apfel, abends Kartoffel-Gemüse-Suppe mit einer Scheibe Knäckebrot.
  • Aufbautag 2: Haferbrei mit Apfelmus, mittags Pellkartoffeln mit Kräuterquark und gedünsteten Möhren, abends wieder Suppe.
  • Aufbautag 3 und 4: Vollkornbrot, Naturjoghurt, Reis, Gemüse, kleine Portionen Fisch oder Eier. Alkohol und Frittiertes warten noch.

Kauen Sie gründlich und hören Sie früh auf. Der Darm braucht oft ein paar Tage, bis er wieder regelmäßig arbeitet; eingeweichte Trockenpflaumen oder Leinsamen mit viel Wasser helfen. In der Blutdruck-Auswertung blieb der niedrigere Blutdruck während der vier Aufbautage bestehen. Was beim Wiedereinstieg nach kürzeren Fastenzeiten gilt, lesen Sie unter Fasten richtig brechen.

Für die Wochen danach schlägt Ihnen FastTrack Mahlzeiten mit KI vor, und der Mahlzeiten-Scan schätzt aus einem Foto Kalorien und Makros.

Kurz zusammengefasst

Beim Fasten nach Buchinger trinken Sie einige Tage nur Tee, Wasser, Gemüsebrühe und Saft mit etwas Honig, rund 200 bis 250 Kilokalorien täglich, eingerahmt von Entlastungs- und Aufbautagen. Große Beobachtungsstudien einer Klinik melden niedrigeren Blutdruck und Blutzucker bei wenigen Nebenwirkungen; kontrollierte Studien sind klein, die Effekte teils vorübergehend. Die Darmentleerung ist Tradition ohne Studienbeleg. Mit Medikamenten, Gicht oder einer Herz- oder Nierenerkrankung fasten Sie nur ärztlich begleitet.

Häufige Fragen

Wie viele Kalorien hat man beim Fasten nach Buchinger am Tag?

In den Studien der Buchinger-Klinik waren es 200 bis 250 Kilokalorien täglich, vor allem aus Saft, Gemüsebrühe und Honig. In einer Auswertung von 1.610 Fastenden kamen die mit Saft und Honig auf 236 Kilokalorien, die mit Brühe allein auf etwa 72.

Muss man beim Heilfasten den Darm entleeren?

Die Darmentleerung mit Glaubersalz oder Einlauf gehört zur Tradition, ein Nutzen ist durch Studien nicht belegt. Sie kann Kreislauf und Salzhaushalt belasten. Bei Herz- oder Nierenproblemen, Entwässerungstabletten oder niedrigem Blutdruck klären Sie das vorher mit Ihrer Praxis.

Kann ich beim Buchinger-Fasten arbeiten gehen?

Viele Gesunde arbeiten im Büro während des Fastens normal weiter, am leichtesten ab dem dritten Fastentag. Legen Sie die ersten beiden Tage möglichst auf ein Wochenende. Schwere körperliche Arbeit und Autofahren bei Schwindel lassen Sie sein.

Wie lange sollte man nach Buchinger fasten?

Für Gesunde ohne Erfahrung reichen zu Hause drei bis fünf Fastentage, in Fastenkursen ist eine Woche üblich. In den Klinikstudien dauerte das Fasten 4 bis 21 Tage, mit täglicher ärztlicher Kontrolle.

Darf man beim Fasten nach Buchinger Kaffee trinken?

Klassisch gibt es nur Wasser und Kräutertee. Wer viel Kaffee gewohnt ist, reduziert ihn schon in der Woche vor dem Fasten, damit keine Entzugskopfschmerzen dazukommen.

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Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und ersetzt keine professionelle ärztliche Beratung. Konsultieren Sie immer einen Arzt, bevor Sie einen Fasten- oder Ernährungsplan beginnen oder ändern, insbesondere wenn Sie an einer Vorerkrankung leiden, schwanger sind oder Medikamente einnehmen.

Quellen

  1. Wilhelmi de Toledo F, Grundler F, Bergouignan A et al. (2019). Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjects. PLoS One, 14(1), e0209353. Auf PubMed ansehen
  2. Grundler F, Mesnage R, Michalsen A et al. (2020). Blood Pressure Changes in 1610 Subjects With and Without Antihypertensive Medication During Long-Term Fasting. J Am Heart Assoc, 9(23), e018649. Auf PubMed ansehen
  3. Grundler F, Mesnage R, Ruppert PMM et al. (2024). Long-Term Fasting-Induced Ketosis in 1610 Subjects: Metabolic Regulation and Safety. Nutrients, 16(12), doi: 10.3390/nu16121849. Auf PubMed ansehen
  4. Li C, Sadraie B, Steckhan N et al. (2017). Effects of A One-week Fasting Therapy in Patients with Type-2 Diabetes Mellitus and Metabolic Syndrome - A Randomized Controlled Explorative Study. Exp Clin Endocrinol Diabetes, 125(9), 618-624. Auf PubMed ansehen
  5. Grundler F, Ducarmon QR, Holley A et al. (2026). Health benefits of a five-day at-home modified fasting program: a randomised controlled trial. Genome Med, 18(1), doi: 10.1186/s13073-026-01681-3. Auf PubMed ansehen

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