Heilfasten: Was dahintersteckt und wie eine Fastenwoche abläuft
Beim Heilfasten verzichten Sie einige Tage auf feste Nahrung und nehmen nur Wasser, Kräutertee, Gemüsebrühe und etwas Saft zu sich. In den Studien aus deutschen Kliniken kamen die Fastenden so auf 200 bis 350 Kilokalorien am Tag. Entstanden ist Heilfasten als ärztliche Behandlung in der Naturheilkunde, etwa bei Rheuma. Heute fasten auch viele Gesunde so, oft zwischen Aschermittwoch und Ostern.
Wer zum ersten Mal fastet, muss vor allem zwei Dinge klären: ob Heilfasten zur eigenen Gesundheit passt und wer einen dabei begleitet. Die Schritte unten folgen der Reihenfolge, in der Sie planen, bis zum ersten Teller Suppe nach dem letzten Fastentag.
1. Verstehen Sie, was Heilfasten meint
In der Medizin heißt Heilfasten auch Fastentherapie. Die Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung hat 2002 Leitlinien dazu veröffentlicht und sie 2013 von einem Expertengremium überarbeiten lassen. Sie beschreiben Formen und Anwendungsgebiete und stellen eine klare Bedingung: Wer fastet, wird von ärztlichen oder therapeutischen Fachleuten begleitet, die in Fastentherapie ausgebildet und zertifiziert sind.
Heilfasten im engeren Sinn ist die Behandlung von Kranken, meist stationär in einer Fastenklinik oder einer Klinik für Naturheilkunde. Fasten für Gesunde läuft in Kursen mit ausgebildeter Fastenleitung oder allein zu Hause.
Mit Intervallfasten hat das wenig gemein. Dort essen Sie jeden Tag, nur in einem kürzeren Zeitfenster. Beim Heilfasten fällt das Essen mehrere Tage am Stück weg, und der Stoffwechsel greift auf die Fettreserven zurück: In der größten Studie dazu stiegen die Ketonkörper in allen Fastengruppen an.
2. Prüfen Sie, ob Heilfasten zu Ihnen passt
Für gesunde Erwachsene ist eine kurze Fastenzeit meist gut machbar. In diesen Fällen fasten Sie gar nicht oder nur nach ärztlicher Rücksprache:
- Verzichten Sie in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Untergewicht, unter 18 Jahren und bei einer Essstörung, auch wenn sie Jahre zurückliegt.
- Diabetes mit Insulin oder Tabletten: Ohne angepasste Dosis drohen Unterzuckerungen. Fasten Sie nur, wenn Ihre Diabetespraxis zustimmt und die Werte mit Ihnen kontrolliert.
- Blutdrucksenker oder Entwässerungstabletten: Der Blutdruck fällt beim Fasten oft deutlich. Die Dosis passt jemand an, der Sie regelmäßig misst. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab.
- Herz- oder Nierenerkrankung, Gicht: Hier gehört Heilfasten in eine Klinik, wenn überhaupt.
- Jede andere Erkrankung oder Dauermedikation: Vor jedem Fasten über 24 Stunden sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Ein Termin in der Hausarztpraxis zwei bis drei Wochen vor dem Start lohnt sich auch für Gesunde. Dort lassen sich Blutdruck, Blutzucker, Nierenwerte und Blutsalze bestimmen, und Sie wissen, wen Sie anrufen, falls es in der Fastenwoche hakt.
3. Ordnen Sie ein, was Studien zum Heilfasten zeigen
Die meisten Daten kommen aus der Buchinger-Klinik in Überlingen am Bodensee. Dort wurden über ein Jahr 1.422 Gäste ausgewertet, die zwischen 4 und 21 Tagen fasteten, mit 200 bis 250 Kilokalorien am Tag. Am Ende lagen Gewicht und Blutdruck niedriger, der Blutzucker im unteren Normbereich. Hunger hatten nach eigener Angabe nur 6,8 Prozent, Nebenwirkungen wurden bei weniger als einem Prozent gemeldet. Von den 404 Gästen, die mit Beschwerden angereist waren, fühlten sich 341 danach besser. Allerdings fehlt eine Vergleichsgruppe, und wer die Studie geschrieben hat, arbeitet für die Klinik oder berät sie.
In den Kliniken Essen-Mitte entschieden Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen und Schmerzen selbst: 952 fasteten sieben Tage mit Säften und unter 350 Kilokalorien, 873 aßen normal und vegetarisch. Bei der Entlassung hatte sich die Hauptbeschwerde in der Fastengruppe stärker gebessert, die Lebensqualität stieg in beiden Gruppen ähnlich. Schwere Nebenwirkungen durch das Fasten wurden nicht berichtet.
Ausgelost wurde an der Charité in Berlin. Von 71 Menschen mit metabolischem Syndrom und Bluthochdruck fastete die eine Hälfte fünf Tage mit 300 bis 350 Kilokalorien aus Gemüsesaft und Brühe und stellte danach auf die DASH-Ernährung mit viel Gemüse und wenig Salz um. Die andere Hälfte stellte nur die Ernährung um. Nach drei Monaten lag der über 24 Stunden gemessene obere Blutdruckwert nur in der Fastengruppe niedriger, und 43 Prozent der Fastenden kamen mit weniger Blutdrucksenkern aus, in der Vergleichsgruppe 17 Prozent. Etwa zwei Drittel der Fastenden sprachen deutlich an, die übrigen kaum.
Die Leitlinie, an der auch Ärztinnen und Ärzte aus Fastenkliniken mitgeschrieben haben, sieht die besten Belege bei rheumatischen Erkrankungen. Für Bluthochdruck, Stoffwechselkrankheiten und Schmerzsyndrome spricht sie von vorläufigen Daten. Dass Fasten „entschlackt“, ist nicht belegt; Schlacken kennt die Medizin nicht. Ebenso fehlt der Nachweis, dass eine Fastenwoche im Jahr Krankheiten auf Dauer vorbeugt. Wie viel Sie abnehmen und was davon bleibt, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden; was die Waage nach einer Woche zeigt, lesen Sie unter 7 Tage Fasten.
4. Wählen Sie eine Form: Buchinger, F.X. Mayr oder Hildegard
Die bekannten Schulen des Heilfastens unterscheiden sich vor allem darin, was an den Fastentagen auf den Tisch kommt:
- Buchinger: Wasser und Kräutertee, mittags Gemüsebrühe, abends Saft mit etwas Honig, wie es unter Fasten nach Buchinger Tag für Tag beschrieben ist.
- F.X. Mayr: Die Kur nach dem österreichischen Arzt Franz Xaver Mayr ist meist eine Milch-Semmel-Kur, bei der Sie eine altbackene Semmel Bissen für Bissen sehr lange kauen und löffelweise Milch dazu nehmen.
- Hildegard: Dinkelbrühe und Fencheltee stehen im Mittelpunkt beim Fasten nach Hildegard von Bingen, das oft in Klöstern angeboten wird.
Fast alle Studien oben beruhen auf dem Prinzip mit Saft und Brühe. Zur Mayr-Kur gibt es nur kleine Studien zu Laborwerten und Darmflora, zum Hildegard-Fasten haben wir in PubMed keine gefunden. Wer zum ersten Mal fastet, ist mit Buchinger gut beraten: Die meisten Kurse arbeiten danach, und die Studienlage ist am besten.
5. Klären Sie die ärztliche Begleitung und den Rahmen
Beim Heilfasten sinken Blutdruck und Blutzucker, das zeigte die Studie aus Überlingen. Wer Medikamente nimmt, braucht dann jemanden, der misst und die Dosis anpasst. Auch bei Gesunden kann der Kreislauf nachgeben, vor allem beim reinen Wasserfasten. Eine Klinik in Kalifornien hat 768 ärztlich betreute Aufenthalte mit Wasserfasten ausgewertet, die im Median sieben Tage dauerten. In 28 Prozent kam es zu Schwindel bis kurz vor der Ohnmacht. Zwei Männer über 70 mussten ins Krankenhaus, einer am dritten Tag mit Flüssigkeitsmangel, einer am neunten Tag mit Natriummangel und Sprachstörungen. Die meisten Beschwerden waren leicht; am häufigsten war Müdigkeit, in fast der Hälfte der Aufenthalte.
So finden Sie den passenden Rahmen:
| Ihre Situation | Passender Rahmen |
|---|---|
| Gesund, erstes Fasten, Arbeit läuft weiter | Kurs mit Fastenleitung, etwa an der Volkshochschule, vorher Check in der Hausarztpraxis |
| Gesund, eine Woche Urlaub, schon einmal gefastet | Zu Hause, höchstens vier Fastentage ohne ärztliche Begleitung |
| Fünf und mehr Fastentage geplant | Mit Ärztin oder Arzt, auch für die Aufbautage |
| Nur Wasser, länger als 72 Stunden | Ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht, etwa in einer Fastenklinik |
| Medikamente oder chronische Erkrankung | Vorher in die Praxis; bei Diabetes mit Insulin, Herz- oder Nierenerkrankung stationär |
| Schwanger, stillend, unter 18, Essstörung | Kein Heilfasten |
Bei einem Kurs an der Volkshochschule trifft sich die Gruppe in der Fastenwoche abends, und das trägt durch die zähen ersten Tage. Wer zu Hause fastet, nimmt sich am besten eine Woche Urlaub: Sie können mittags ruhen und spazieren gehen, und niemand stellt Ihnen in der Kantine eine Currywurst hin.
6. Planen Sie die Woche vom Entlastungstag bis zum Aufbau
Eine Heilfastenwoche zu Hause hat zwei Entlastungstage, bis zu vier Fastentage und danach zwei bis drei Aufbautage. In Kliniken wird länger gefastet: In Essen waren es sieben Fastentage, mit zwei Entlastungstagen davor und drei Aufbautagen danach. So passt eine Woche Urlaub mit zwei Wochenenden:
| Phase | Wann | Was es gibt | Kilokalorien am Tag, etwa |
|---|---|---|---|
| Entlastung | Samstag und Sonntag | Haferbrei mit Apfel, Gemüsesuppe, Pellkartoffeln mit Quark, kein Alkohol | 600 bis 1.200 |
| Fastentage | Montag bis Donnerstag | Morgens Tee mit einem Teelöffel Honig, mittags 250 ml Gemüsebrühe, abends 250 ml Saft, dazu 2 bis 3 Liter Wasser und Kräutertee | 200 bis 350 |
| Aufbau | Freitag bis Sonntag | Freitag mittags ein gedünsteter Apfel, abends Kartoffel-Gemüse-Suppe; danach Haferbrei, Pellkartoffeln, Gemüse und Naturjoghurt in kleinen Portionen | Von etwa 800 auf 1.600 steigend |
| Zurück im Alltag | Ab Montag | Normale Mahlzeiten mit viel Gemüse, Alkohol erst jetzt wieder | Ihr üblicher Bedarf |
Für die Brühe kochen Sie Möhren, Lauch, Knollensellerie und Kartoffeln eine Stunde, sieben ab und salzen leicht. Als Saft eignen sich Möhrensaft oder naturtrüber Apfelsaft, halb mit Wasser verdünnt. Planen Sie jeden Tag einen Spaziergang von etwa einer Stunde ein und mittags eine Ruhepause mit Wärmflasche. In FastTrack tragen Sie Wasser und Tee ein, und der Timer zeigt, in welcher Fastenphase Sie gerade sind, bis zur Ketose.
Hören Sie auf, wenn Ihnen schwindlig wird und das im Sitzen nicht vergeht, wenn Sie zittern oder das Herz rast. Trinken Sie dann ein Glas Saft oder eine Tasse Brühe und essen Sie wieder. Mit Diabetes beenden Sie das Fasten bei niedrigen Messwerten. Bei Ohnmacht oder Brustschmerzen wählen Sie die 112; halten Beschwerden abends oder am Wochenende an, erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.
7. Bauen Sie nach dem Heilfasten langsam wieder auf
Der erste Bissen nach dem Fasten ist klassisch ein Apfel, roh gerieben oder gedünstet und sehr langsam gegessen. Abends folgt eine Kartoffel-Gemüse-Suppe. An den nächsten Tagen kommen Haferbrei, Pellkartoffeln mit Kräuterquark, gedünstetes Gemüse und Naturjoghurt dazu. Alkohol und Frittiertes warten, bis der Aufbau vorbei ist. Hören Sie früh auf zu essen. In Überlingen dauerte der Aufbau im Schnitt vier Tage, in Essen drei.
Nach fünf und mehr Fastentagen begleitet eine Ärztin oder ein Arzt auch den Aufbau, denn mit dem ersten Essen verschieben sich die Blutsalze schnell. Wurden Medikamente für das Fasten reduziert, klären Sie vorher, ab wann wieder die alte Dosis gilt. In der Berliner Studie folgten auf die fünf Fastentage zehn Wochen mit Ernährungskursen; die Ergebnisse dort gelten für diese Kombination. Für die Wochen danach schlägt Ihnen FastTrack mit KI Mahlzeiten vor, und der Mahlzeiten-Scan schätzt aus einem Foto Kalorien und Makros.
Kurz zusammengefasst
Heilfasten heißt einige Tage mit Wasser, Tee, Brühe und Saft, rund 200 bis 350 Kilokalorien täglich, eingerahmt von Entlastungs- und Aufbautagen. Studien aus deutschen Kliniken zeigen sinkenden Blutdruck und weniger Beschwerden, meist ohne Vergleichsgruppe und längst nicht bei allen. Gesunde fasten zu Hause bis zu vier Tage. Wer länger fastet oder Medikamente nimmt, fastet mit ärztlicher Begleitung, und reines Wasserfasten über 72 Stunden gehört immer unter ärztliche Aufsicht.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Heilfasten und Intervallfasten?
Beim Heilfasten verzichten Sie mehrere Tage am Stück auf feste Nahrung und trinken Wasser, Tee, Brühe und Saft, zusammen etwa 200 bis 350 Kilokalorien am Tag. Beim Intervallfasten essen Sie jeden Tag, nur in einem kürzeren Zeitfenster, etwa acht Stunden.
Wie lange dauert Heilfasten?
Zu Hause und ohne ärztliche Begleitung bleiben Gesunde bei höchstens vier Fastentagen. In Kliniken wird oft eine bis drei Wochen gefastet, in der großen Buchinger-Studie waren es 4 bis 21 Tage. Ab fünf Fastentagen gehören Fastenzeit und Aufbau in ärztliche Begleitung.
Kann man Heilfasten zu Hause machen?
Ja, wenn Sie gesund sind, keine Medikamente nehmen und nicht länger als vier Tage fasten. Nehmen Sie sich dafür am besten Urlaub und lassen Sie sich vorher in der Hausarztpraxis untersuchen. Mit einer Erkrankung oder Medikamenten sprechen Sie vor jedem Fasten über 24 Stunden mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Hilft Heilfasten bei Bluthochdruck?
In einer ausgelosten Studie der Charité sank der über 24 Stunden gemessene Blutdruck bei Menschen mit metabolischem Syndrom nach fünf Fastentagen und anschließender Ernährungsumstellung stärker als mit der Ernährungsumstellung allein. Etwa ein Drittel der Fastenden sprach kaum an. Blutdrucksenker passen Sie beim Fasten nur unter ärztlicher Kontrolle an.
Wie viel nimmt man beim Heilfasten ab?
Das ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden. Ein Teil des Verlusts ist Wasser und kommt zurück, sobald Sie wieder normal essen. Was bleibt, hängt vor allem von den Wochen nach dem Fasten ab.
Verfolgen Sie Ihr Fasten mit FastTrack
Ein Fasten-Timer, der Ihrem Plan folgt, ein KI-Coach für die schweren Stunden und Mahlzeitenideen für Ihr Essensfenster.
FastTrack herunterladenMedizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und ersetzt keine professionelle ärztliche Beratung. Konsultieren Sie immer einen Arzt, bevor Sie einen Fasten- oder Ernährungsplan beginnen oder ändern, insbesondere wenn Sie an einer Vorerkrankung leiden, schwanger sind oder Medikamente einnehmen.
Quellen
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- Maifeld A, Bartolomaeus H, Löber U et al. (2021). Fasting alters the gut microbiome reducing blood pressure and body weight in metabolic syndrome patients. Nat Commun, 12(1), 1970. Auf PubMed ansehen
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- Wilhelmi de Toledo F, Buchinger A, Burggrabe H et al. (2013). Fasting therapy - an expert panel update of the 2002 consensus guidelines. Forsch Komplementmed, 20(6), 434-43. Auf PubMed ansehen