Fasten nach Hildegard von Bingen: eine Fastenwoche mit Dinkel und Fencheltee
Beim Fasten nach Hildegard von Bingen steht der Dinkel im Mittelpunkt. Morgens gibt es Fencheltee oder einen kleinen Teller Habermus, mittags eine heiße Dinkelbrühe mit Gemüse, abends Saft oder noch einmal Brühe. Dazu kommen Wasser und Kräutertee, Gewürze wie Galgant und Quendel und ein ruhiger Tag mit Spaziergängen.
Angeboten wird diese Form in Klöstern, an Volkshochschulen und in Fastengruppen von Kirchengemeinden, oft vor Ostern. Unten finden Sie eine Woche zum Nachplanen und eine ehrliche Antwort darauf, was davon auf Hildegard zurückgeht und was Studien zeigen. Zum Hildegard-Fasten selbst haben wir in PubMed keine Studie gefunden.
1. Verstehen Sie, woher das Fasten nach Hildegard von Bingen kommt
Hildegard von Bingen lebte von 1098 bis 1179 und gründete als Äbtissin die Klöster Rupertsberg bei Bingen und Eibingen bei Rüdesheim. In ihren naturkundlichen Werken Physica und Causae et curae ordnet sie Pflanzen und Getreide nach der Lehre ihrer Zeit als warm, kalt, feucht oder trocken ein. Den Dinkel nennt sie das beste Getreide, auch den Fenchel empfiehlt sie ausdrücklich. Ob alle medizinischen Texte von ihr stammen, ist unter Historikern umstritten.
Einen Fastenplan mit Tagesablauf hat Hildegard nicht hinterlassen. Sie schrieb viel über das rechte Maß, und gefastet wurde in ihren Klöstern nach der Regel des heiligen Benedikt und dem Kirchenjahr. Das heutige Hildegard-Fasten haben vor allem der Konstanzer Arzt Gottfried Hertzka und später Wighard Strehlow seit den 1970er-Jahren aus ihren Schriften zusammengestellt. Wie die Kirchen das Fasten heute regeln, steht unter Christliches Fasten.
Typisch für das Programm sind diese Bausteine:
- Dinkel als Brühe, als Grieß oder Flocken im Habermus und geröstet als Dinkelkaffee
- Gemüse und Obst, vor allem Fenchel, Sellerie, Karotten, Kürbis und gedünstete Äpfel
- Kräutertee, allen voran Fencheltee
- Gewürze wie Galgant, Bertram und Quendel, ein wilder Thymian
- Spaziergänge und Stille, im Kloster auch das Stundengebet
2. Trennen Sie Tradition und Studienlage
Untersucht wurden bisher vor allem Hildegards Kräuterbücher als Texte. Ein Team aus Zürich verglich ihre Angaben mit heutigen Monographien zu Heilpflanzen: Die große Mehrheit passte nicht dazu, die Zahl der Treffer lag aber über dem, was der Zufall erklären würde. Die Autoren raten, solche Angaben vorsichtig zu prüfen. In der Deutschen Medizinischen Wochenschrift wurde 2016 davor gewarnt, Hildegards Empfehlungen unkritisch anzuwenden, weil pflanzliche Mittel aus der alten Säftelehre nicht immer harmlos sind.
Besser untersucht ist der Rahmen, den das Hildegard-Fasten mit dem Heilfasten teilt. In einer Essener Klinik für Integrative Medizin fasteten 952 stationäre Patientinnen und Patienten mit chronischen Erkrankungen sieben Tage mit Saft und unter 350 Kilokalorien täglich, nach zwei Entlastungstagen und mit drei Aufbautagen. Schwere Nebenwirkungen durch das Fasten wurden nicht gemeldet, 78 Prozent berichteten von einer gebesserten Gesundheit. In der Buchinger-Klinik in Überlingen fasteten 1.422 Gäste 4 bis 21 Tage mit 200 bis 250 Kilokalorien, Nebenwirkungen meldete weniger als ein Prozent.
Beide Studien liefen unter täglicher ärztlicher Aufsicht, ausgelost wurde in keiner, und das Überlinger Team arbeitet für die Klinik. Was dort gemessen wurde, steht unter Fasten nach Buchinger. Für die Hildegard-Bausteine sieht die Lage so aus:
| Baustein | Herkunft | Studienlage | Was Sie daraus machen |
|---|---|---|---|
| Entlastungs-, Fasten- und Aufbautage | Heilfasten, ins Hildegard-Programm übernommen | Klinikstudien mit ähnlichem Ablauf, ohne Kontrollgruppe | Übernehmen, Länge nach Ihrer Gesundheit wählen |
| Dinkel als bestes Getreide | Physica | Keine Fastenstudie, Dinkel ist eine Weizenart mit Gluten | Als Brühe und Brei nutzen, bei Zöliakie meiden |
| Fencheltee | Physica, Hildegard-Küche | Keine Fastenstudie | Zählt zu Ihren zwei bis drei Litern am Tag |
| Galgant, Bertram, Quendel | Physica, ausgebaut in der Hildegard-Medizin | Keine Studie zur Wirkung beim Fasten | Als Gewürz verwenden, nie anstelle einer Behandlung |
| „Küchengifte“ wie Lauch, Erdbeeren, Pfirsiche und Pflaumen | Hildegard-Medizin des 20. Jahrhunderts | Kein Beleg | Nach Geschmack entscheiden |
| Aderlass | Hildegard-Medizin | Ein ärztlicher Eingriff | Gehört nicht in eine Fastenwoche zu Hause |
3. Prüfen Sie, ob Sie fasten sollten oder ärztliche Begleitung brauchen
Haben Sie eine Erkrankung oder nehmen Sie regelmäßig Medikamente, sprechen Sie vor jedem Fasten über 24 Stunden mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Das gilt auch für einen Kurs im Kloster mit erfahrener Fastenleitung. Besonders wichtig ist das in diesen Fällen:
- Diabetes mit Insulin oder Tabletten: Bei so wenig Kohlenhydraten drohen Unterzuckerungen, die Dosis muss vorher angepasst werden.
- Blutdrucksenker, Entwässerungstabletten, Herz- oder Nierenerkrankung: Der Blutdruck sinkt beim Fasten oft deutlich, und Salze verschieben sich. Setzen Sie nichts eigenmächtig ab.
- Gicht: Die Harnsäure steigt beim Fasten, ein Anfall ist möglich.
- Zöliakie oder Weizenallergie: Dinkel ist eine Weizenart und enthält Gluten. In einer Laboranalyse der TU München enthielt er sogar die meisten verschiedenen Eiweißbruchstücke, die bei Zöliakie als Auslöser bekannt sind, im Mittel 193 gegenüber 63 beim Einkorn. Dass Dinkel verträglicher sei als Weizen, gilt für Sie also nicht.
- Verzichten Sie ganz in Schwangerschaft und Stillzeit, mit Untergewicht, mit einer Essstörung in der Vorgeschichte und unter 18 Jahren.
Für gesunde Erwachsene sind drei bis vier Fastentage meist gut machbar. Fünf und mehr, wie viele Kurse sie vorsehen, planen Sie mit ärztlicher Begleitung, vor allem für den Aufbau danach.
4. Wählen Sie Kloster, Volkshochschule oder die eigene Küche
Ein Fastenkurs im Kloster ist eine echte Auszeit, mit gemeinsamer Brühe, Wanderungen und Stundengebet. Viele Gästehäuser von Orden bieten solche Wochen in der Fastenzeit an, manche rund um Hildegards Gedenktag am 17. September. An der Volkshochschule läuft Ihr Alltag weiter, nach einem Vortreffen kommt die Gruppe meist an fünf Abenden zusammen. Zu Hause fasten Sie allein, dafür nach Ihrem eigenen Kalender.
Wenn Sie an den Fastentagen arbeiten, hilft etwas Planung:
- Legen Sie den ersten Fastentag auf einen Samstag. Für viele ist er der zäheste.
- Nehmen Sie die Brühe morgens heiß in der Thermoskanne mit ins Büro.
- Lassen Sie das Auto stehen, wenn Ihnen beim Aufstehen schwindlig wird. Bei Schichtdienst oder schwerer körperlicher Arbeit nehmen Sie besser Urlaub.
5. Kaufen Sie ein und beginnen Sie mit zwei Entlastungstagen
Fast alles für die Woche finden Sie im Reformhaus oder in der Bio-Abteilung des Supermarkts:
- 250 g ganze Dinkelkörner für die Brühe, 500 g Dinkelgrieß oder Dinkelflocken, Dinkelkaffee
- Fenchelknollen, Karotten, Knollensellerie, ein kleiner Hokkaido-Kürbis, Petersilie
- Äpfel zum Dünsten, Karotten- oder naturtrüber Apfelsaft ohne Zuckerzusatz, ein Glas Honig
- Fencheltee und einen zweiten Kräutertee, etwa Melisse
- Galgant, Bertram und Quendel als Gewürz, wenn Sie traditionell würzen möchten
An den beiden Entlastungstagen essen Sie leicht: morgens Habermus, mittags Dinkelnudeln mit gedünstetem Fenchel und Karotten, abends Gemüsesuppe mit einer Scheibe Dinkelbrot. Für den Habermus rühren Sie 3 Esslöffel Dinkelgrieß in 200 ml kochendes Wasser, geben einen geriebenen Apfel dazu und lassen alles fünf Minuten quellen. Kaffee und Alkohol fahren Sie schon jetzt herunter.
Am zweiten Entlastungstag kochen Sie die Brühe. Rösten Sie 60 g Dinkelkörner in einem trockenen Topf an, bis sie duften, und geben Sie 2 Liter Wasser, eine Fenchelknolle, zwei Karotten und ein Viertel Knollensellerie grob geschnitten dazu. Nach 60 Minuten bei kleiner Hitze sieben Sie ab, salzen und würzen nach Hildegard-Art mit etwas Galgant oder Quendel. Die etwa 1,5 Liter halten im Kühlschrank drei Tage. Wie viel Salz in eine Tasse gehört, steht unter Fasten mit Gemüsebrühe. Die ausgekochten Körner frieren Sie für den ersten Aufbautag ein.
6. Gestalten Sie die Fastentage nach Hildegard
Kurse unterscheiden eine strenge Form, bei der es nur Flüssiges gibt, und eine mildere mit einem kleinen Habermus am Morgen. Für den Einstieg zu Hause eignet sich die mildere. So kann ein Fastentag aussehen:
| Uhrzeit | Was | Menge | Kilokalorien, etwa |
|---|---|---|---|
| 7:30 Uhr | Fencheltee mit einem Teelöffel Honig | 2 Tassen | 25 |
| 8 Uhr, nur milde Form | Habermus aus 2 Esslöffeln Dinkelgrieß und einem halben Apfel | 1 kleine Schale | 100 bis 130 |
| 12:30 Uhr | Dinkelbrühe, abgesiebt und gesalzen | 250 ml | 20 bis 40 |
| 15 Uhr | Spaziergang, danach Kräutertee | 45 Minuten | 0 |
| 18:30 Uhr | Karotten- oder Apfelsaft, verdünnt, oder eine zweite Tasse Brühe | 200 ml Saft | 50 bis 95 |
| Über den Tag | Wasser, Fencheltee und Kräutertee, ungesüßt | 2 bis 3 Liter | 0 |
In der strengen Form kommen Sie so auf etwa 100 bis 160 Kilokalorien, in der milden auf rund 200 bis 300, je nach Saft und Portion. Frieren und Kopfschmerzen sind in den ersten beiden Tagen häufig, stehen Sie morgens langsam auf. In FastTrack tragen Sie Wasser und Tee ein und sehen abends, ob Sie auf Ihre zwei bis drei Liter gekommen sind.
Lassen Sie Brühe und Saft weg und trinken nur noch Wasser, ist das kein Hildegard-Fasten mehr. Reines Wasserfasten über 72 Stunden gehört unter ärztliche Aufsicht.
Brechen Sie ab und essen Sie etwas, wenn Ihnen schwarz vor Augen wird, Sie zittern oder Herzrasen bekommen oder ein Schwindel im Sitzen nicht vergeht. Nach einer Ohnmacht oder bei Brustschmerzen rufen Sie den Notruf 112, außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Galgant, den die Hildegard-Bücher als Herzgewürz führen, ersetzt bei Beschwerden am Herzen keine Untersuchung.
7. Brechen Sie das Fasten mit einem Apfel und bauen Sie mit Dinkel auf
Traditionell endet das Fasten mittags mit einem gedünsteten Apfel, mit etwas Zimt bestreut und in kleinen Bissen gegessen. Nach drei bis vier Fastentagen planen Sie zwei bis drei Aufbautage ein:
- Aufbautag 1: mittags der Apfel, abends Dinkelbrühe mit den eingefrorenen Körnern und etwas püriertem Kürbis, dazu eine Scheibe Dinkelknäckebrot.
- Aufbautag 2: morgens Habermus, mittags Dinkelnudeln mit gedünstetem Fenchel, abends eine Karotten-Kürbis-Suppe.
- Aufbautag 3: Dinkelbrot mit Kräuterquark, Gemüse, kleine Portionen Fisch oder Eier. Bratwurst und Alkohol warten noch.
Kauen Sie gründlich und hören Sie früh auf. Nach fünf und mehr Fastentagen lassen Sie den Aufbau ärztlich begleiten, weil sich mit dem ersten Essen Kalium, Magnesium und Phosphat im Blut stark verschieben können. Wurden Medikamente reduziert, klären Sie vorher, ab wann wieder die alte Dosis gilt.
Nach der Woche bleibt oft der Dinkel auf dem Frühstückstisch. FastTrack schlägt Ihnen Mahlzeiten mit KI vor, und der Mahlzeiten-Scan schätzt aus einem Foto Kalorien und Makros.
Kurz zusammengefasst
Das Fasten nach Hildegard von Bingen verbindet die Fastenwoche des Heilfastens mit Dinkel, Fencheltee und Gewürzen aus Hildegards Schriften. Der Ablauf mit Entlastungs-, Fasten- und Aufbautagen ähnelt dem, was Kliniken unter ärztlicher Aufsicht untersucht haben. Zu Dinkelbrühe, Habermus und Galgant beim Fasten gibt es keine Studien, sie sind Tradition. Mit Zöliakie passt Dinkel nicht, und mit einer Erkrankung oder Medikamenten sprechen Sie vorher mit Ihrer Praxis.
Häufige Fragen
Was isst man beim Hildegard-Fasten?
An den Fastentagen gibt es Fencheltee und Wasser, mittags eine abgesiebte Dinkelbrühe mit Gemüse und abends Saft oder noch einmal Brühe. In der milden Form kommt morgens ein kleiner Habermus aus Dinkelgrieß und Apfel dazu. An den Entlastungs- und Aufbautagen essen Sie Dinkel, gedünstetes Gemüse und Obst.
Ist das Hildegard-Fasten wissenschaftlich belegt?
Zum Hildegard-Fasten selbst gibt es keine Studien. Untersucht ist das Heilfasten in Kliniken mit ähnlichem Ablauf und wenigen hundert Kilokalorien am Tag, dort war es unter ärztlicher Aufsicht gut verträglich. Dass Dinkel, Fenchel oder Galgant beim Fasten eine besondere Wirkung haben, hat bisher niemand gezeigt.
Wie viele Kalorien hat ein Fastentag nach Hildegard?
Mit Tee, etwas Honig, Dinkelbrühe und Saft kommen Sie auf etwa 100 bis 160 Kilokalorien. Mit einem kleinen Habermus am Morgen sind es rund 200 bis 300. Die Werte schwanken mit dem Saft und der Größe der Portionen.
Kann ich während des Hildegard-Fastens arbeiten?
Viele Gesunde arbeiten im Büro normal weiter und nehmen die Brühe in der Thermoskanne mit. Legen Sie den ersten Fastentag möglichst auf ein Wochenende. Bei Schichtdienst oder schwerer körperlicher Arbeit nehmen Sie besser Urlaub.
Können Menschen mit Zöliakie nach Hildegard fasten?
Mit Dinkel nicht, denn Dinkel ist eine Weizenart und enthält Gluten. In einer Laboranalyse enthielt er sogar besonders viele verschiedene Eiweißbruchstücke, die bei Zöliakie eine Rolle spielen. Eine glutenfreie Fastenwoche, etwa mit Gemüsebrühe, besprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wie lange dauert eine Hildegard-Fastenwoche?
Viele Kurse planen zwei Entlastungstage, fünf bis sechs Fastentage und zwei bis drei Aufbautage. Zu Hause reichen für den Einstieg drei bis vier Fastentage. Ab fünf Fastentagen lassen Sie den Aufbau ärztlich begleiten.
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FastTrack herunterladenMedizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und ersetzt keine professionelle ärztliche Beratung. Konsultieren Sie immer einen Arzt, bevor Sie einen Fasten- oder Ernährungsplan beginnen oder ändern, insbesondere wenn Sie an einer Vorerkrankung leiden, schwanger sind oder Medikamente einnehmen.
Quellen
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