OMAD: Für wen eine Mahlzeit am Tag passt und was auf den Teller gehört
OMAD steht für „one meal a day“, auf Deutsch eine Mahlzeit am Tag. Sie essen einmal innerhalb von ein bis zwei Stunden und trinken in den übrigen 22 bis 23 Stunden nur Wasser, Tee oder schwarzen Kaffee. Das wirkt wie die bequemste Form des Fastens, weil nur noch eine Mahlzeit geplant werden muss. Wer es eine Weile macht, merkt schnell den Haken: Auf diesem einen Teller muss alles landen, was sonst auf drei Mahlzeiten verteilt ist.
Klären Sie zuerst, ob OMAD für Sie überhaupt in Frage kommt. Danach geht es darum, wie Sie die Mahlzeit so zusammenstellen, dass Eiweiß und Ballaststoffe reichen, und welche Werte Sie nach einigen Wochen prüfen lassen sollten. Die kontrollierten Studien dazu sind klein, und neben möglichen Vorteilen zeigen sie auch Risiken.
1. Prüfen Sie, ob eine Mahlzeit am Tag zu Ihnen passt
OMAD eignet sich am ehesten für gesunde Erwachsene, die seit Monaten gut mit 16:8 zurechtkommen und an manchen Tagen ohnehin kaum Zeit für ein Mittagessen haben. Wer schon zittrig wird, wenn sich das Frühstück auf 10 Uhr verschiebt, braucht mehr Vorlauf. Die Definition und die Abgrenzung zu anderen Fastenformen finden Sie im Glossareintrag zu OMAD.
| Ihre Situation | Eine Mahlzeit am Tag? | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Gesund, 16:8 läuft seit Monaten ohne Probleme | Ein Versuch ist möglich | Mit zwei OMAD-Tagen pro Woche beginnen |
| Diabetes mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen wie Glimepirid | Nur mit ärztlicher Begleitung | Dosis und Einnahmezeiten vorher anpassen lassen |
| Schwangerschaft, Stillzeit oder jünger als 18 | Ungeeignet | Regelmäßig über den Tag verteilt essen |
| Essstörung in der Vorgeschichte | Ungeeignet, auch nach Jahren | Feste Mahlzeiten ohne Fastenregeln |
| Älter als etwa 65, Kraft und Muskeln lassen nach | Eher ungeeignet | Eiweiß auf zwei bis drei Mahlzeiten verteilen |
| Medikamente, die zum Essen eingenommen werden | Nur nach Rücksprache | Einnahmezeit mit Praxis oder Apotheke klären |
Bei Diabetes ist der Grund konkret: Insulin und Sulfonylharnstoffe senken den Blutzucker auch dann, wenn 23 Stunden lang nichts nachkommt. Ohne angepasste Dosis steigt das Risiko für eine Unterzuckerung deutlich. Bei Medikamenten, die laut Beipackzettel zum Essen gehören, etwa Metformin oder manche Schmerzmittel, klären Sie vorher, ob die Einnahme zur einen Mahlzeit passt.
2. Steigen Sie in Stufen über 16:8 ein
Direkt vom täglichen Frühstück zu OMAD zu springen, geht selten gut. Bewährt hat sich eine Treppe: zuerst 16:8, bis es sich über Wochen normal anfühlt, dann zwei Wochen 18:6 und zwei Wochen 20:4 mit zwei kleineren Mahlzeiten im Fenster. Wie die erste Stufe im Alltag aussieht, zeigt der Intervallfasten 16:8 Plan mit Beispieltagen.
Erst danach kommen die ersten OMAD-Tage. Legen Sie zwei feste Tage fest, etwa Dienstag und Donnerstag, an denen weder Familienfrühstück noch Geburtstagskaffee ansteht. An den übrigen Tagen bleiben Sie bei 16:8. Nach drei bis vier Wochen entscheiden Sie, ob ein dritter Tag dazukommt. Tägliches OMAD über viele Monate ist kaum erforscht: Die kontrollierten Studien, auf die sich dieser Text stützt, dauerten elf Tage bis acht Wochen.
3. Legen Sie die Uhrzeit Ihrer Mahlzeit fest
Im deutschen Alltag bieten sich zwei Zeitpunkte an. Wer in der Kantine isst, nimmt die warme Mahlzeit um 12:30 Uhr und fastet bis zum nächsten Mittag. Das Tagesgericht allein reicht selten, deshalb kommen ein Linsensalat und ein Becher Magerquark von zu Hause mit. Schwierig wird es am Abend, wenn die Familie beim Abendbrot sitzt und Sie nur Tee trinken.
Viele legen die Mahlzeit deshalb auf 18 oder 19 Uhr, dann aber warm. Ein klassisches Abendbrot mit Brot, Käse und Aufschnitt bringt kaum ein Drittel des Tageseiweißes und viel zu wenig Gemüse.
Zum Abendtermin passt ein Befund aus den USA. Dort aßen gesunde, normalgewichtige Erwachsene acht Wochen lang ihre gesamten Kalorien in einer Mahlzeit zwischen 16 und 20 Uhr. Im Vergleich zu drei Mahlzeiten war ihr Nüchternblutzucker morgens höher, bei einem Zuckertest am Morgen stieg der Blutzucker stärker und länger an, und das Insulin reagierte verzögert. Danach bildete sich das wieder zurück. Ob eine Mahlzeit am Mittag besser abschneidet, wurde dabei nicht geprüft.
4. Rechnen Sie Ihr Eiweißziel aus
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Erwachsene 0,8 g Eiweiß pro Kilo Körpergewicht, ab 65 Jahren 1,0 g. Wer nur einmal am Tag isst und seine Muskeln halten will, plant besser mit 1,0 bis 1,2 g pro Kilo. Bei 70 kg sind das rund 70 bis 85 g, bei 60 kg etwa 60 bis 72 g, bei 85 kg etwa 85 bis 100 g. Diese Menge muss komplett in die eine Mahlzeit.
Warum das Eiweiß bei OMAD besonders zählt, zeigt eine kleine Studie aus Texas. Acht gesunde Erwachsene aßen jeweils eine Woche lang dieselbe Eiweißmenge, einmal gleichmäßig verteilt mit rund 30 g pro Mahlzeit, einmal mit 11 g zum Frühstück und 63 g am Abend. Bei gleichmäßiger Verteilung lag die Muskelproteinsynthese, also der Aufbau neuer Muskelproteine, über 24 Stunden um 25 Prozent höher. OMAD selbst wurde dort nicht getestet, eine einzige Mahlzeit ist aber noch einseitiger verteilt als die Abendvariante der Studie. Wer Krafttraining macht oder über 65 ist, bleibt deshalb besser bei wenigen OMAD-Tagen pro Woche.
5. Stellen Sie den Teller in drei Gängen zusammen
Die DGE empfiehlt mindestens 30 g Ballaststoffe am Tag. Zusammen mit rund 80 g Eiweiß passt das schlecht auf einen einzelnen Teller, in drei Gängen gelingt es leichter. Ein Beispiel für einen Menschen mit 70 kg:
| Gang | Beispiel | Eiweiß | Ballaststoffe |
|---|---|---|---|
| Vorspeise | Linsensuppe mit 150 g gekochten Linsen | etwa 13 g | etwa 11 g |
| Hauptgang | 150 g Hähnchenbrust (roh gewogen) mit 300 g Ofengemüse aus Brokkoli, Möhren und Paprika | etwa 40 g | etwa 8 g |
| Dazu | Zwei Scheiben Roggenvollkornbrot | etwa 7 g | etwa 8 g |
| Nachtisch | 150 g Magerquark mit 100 g Himbeeren und 1 EL Leinsamen | etwa 22 g | etwa 7 g |
| Zusammen | Drei Gänge über 60 bis 90 Minuten | etwa 82 g | etwa 34 g |
Diese Grundlage liefert erst rund 900 Kilokalorien, die meisten Erwachsenen brauchen am Tag deutlich mehr. Den Rest ergänzen Sie mit Pellkartoffeln oder Vollkornnudeln zum Hauptgang, einem Esslöffel Rapsöl über dem Gemüse, einer Handvoll Walnüsse im Quark und einem Stück Käse zum Brot.
Nehmen Sie sich für die Gänge 60 bis 90 Minuten Zeit. Eine so große Portion in 20 Minuten drückt bei vielen auf den Magen, mit Pausen dazwischen passt mehr hinein. Wer sonst selten Hülsenfrüchte isst, beginnt mit 75 g gekochten Linsen und steigert die Menge über zwei Wochen, damit sich der Darm an die Ballaststoffe gewöhnt. Ob das Eiweiß erreicht ist, lässt sich schwer schätzen. Mit dem Mahlzeiten-Scan in FastTrack fotografieren Sie den Teller und sehen eine Schätzung von Kalorien und Makros, das Eiweiß eingeschlossen.
6. Kommen Sie gut durch die 23 Stunden
Zwischen den Mahlzeiten trinken Sie Wasser, Mineralwasser, ungesüßten Tee und schwarzen Kaffee, zusammen etwa zwei Liter. Ob der Cappuccino am Vormittag noch dazugehört, klärt die Seite Bricht Kaffee das Fasten? ausführlich. Gegen den dumpfen Kopf am Nachmittag hilft vielen eine Prise Salz in einem Glas Wasser.
Rechnen Sie mit Hunger. In einer achtwöchigen Studie hatten die Teilnehmenden mit einer Mahlzeit am Tag deutlich mehr Hunger als mit drei Mahlzeiten. Die Wellen kommen meist zu den gewohnten Essenszeiten, also gegen 7 Uhr und gegen 12:30 Uhr, und klingen erfahrungsgemäß nach einer Viertelstunde wieder ab. Ein Spaziergang in der Mittagspause hilft mehr als der Blick auf die Uhr. Im Timer von FastTrack sehen Sie dabei, in welcher Fastenphase Sie gerade sind, bis hin zur Ketose.
7. Lassen Sie nach acht Wochen Blutdruck und Blutfette prüfen
Eine der ersten kontrollierten Studien zu einer Mahlzeit am Tag stammt aus Beltsville in den USA. Gesunde, normalgewichtige Erwachsene mittleren Alters aßen je acht Wochen lang alle Kalorien in einer oder in drei Mahlzeiten, und zwar so viel, dass ihr Gewicht stabil blieb. In der Phase mit einer Mahlzeit sank die Fettmasse leicht, gleichzeitig stiegen der Blutdruck sowie das Gesamt-, LDL- und HDL-Cholesterin.
Forschende aus Amsterdam und Oslo ließen elf schlanke Erwachsene elf Tage lang nur zwischen 17 und 19 Uhr essen. Bei gleicher Kalorienmenge sank das Gewicht etwas stärker als mit drei Mahlzeiten, um 1,4 gegenüber 0,5 kg, und Kraft und Ausdauer litten nicht. Elf Tage sagen allerdings wenig über Monate aus.
Dazu kommt eine große Beobachtungsstudie mit 24.011 US-Erwachsenen ab 40 Jahren. Wer nur eine Mahlzeit am Tag aß, hatte im Verlauf ein um 30 Prozent höheres Sterberisiko und ein um 83 Prozent höheres Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, als Menschen mit drei Mahlzeiten. Eine solche Studie kann Ursache und Wirkung nicht trennen. Zusammen mit den Werten aus Beltsville ist sie trotzdem ein Grund, genauer hinzusehen.
Lassen Sie deshalb vor dem Start und nach acht Wochen in der Hausarztpraxis Blutdruck, Nüchternblutzucker und LDL-Cholesterin messen. Den Blutdruck können Sie auch zu Hause mit einem Oberarm-Messgerät verfolgen, morgens vor dem Kaffee. Steigen die Werte, besprechen Sie das Ergebnis und kehren eher zu zwei Mahlzeiten zurück. Was die Waage in dieser Zeit zeigt, ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden und hängt vor allem davon ab, wie viel Sie in der einen Mahlzeit essen.
8. Wann Sie aufhören und ärztlichen Rat suchen
Beenden Sie einen OMAD-Tag sofort und essen Sie etwas, wenn Sie Folgendes bemerken:
- Schwindel beim Aufstehen, der nach Wasser mit einer Prise Salz nicht verschwindet.
- Eine Ohnmacht oder das Gefühl, gleich umzukippen.
- Herzrasen, Herzstolpern, Zittern oder kalten Schweiß. Mit Diabetes messen Sie sofort den Blutzucker.
- Einen starken Drang zu Essanfällen oder Gedanken, die nur noch ums Essen kreisen.
Gehen Sie in die Praxis, wenn diese Zeichen wiederkommen. Bei einer Ohnmacht mit Verletzung oder bei Brustschmerz rufen Sie den Notruf 112. In der Schwangerschaft und Stillzeit, unter 18 Jahren und nach einer Essstörung verzichten Sie ganz auf OMAD. Mit Diabetes unter Medikamenten beginnen Sie nur nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Kurz zusammengefasst
Eine Mahlzeit am Tag passt zu gesunden Erwachsenen, die 16:8 sicher beherrschen, und auch dann meist an zwei oder drei Tagen pro Woche. Planen Sie rund 1,0 bis 1,2 g Eiweiß pro Kilo und mindestens 30 g Ballaststoffe ein, verteilt auf drei Gänge über 60 bis 90 Minuten. In Studien stiegen dabei Blutdruck und LDL-Cholesterin, lassen Sie diese Werte deshalb nach acht Wochen prüfen. Bei Schwindel oder Herzrasen hören Sie auf.
Häufige Fragen
Kann man mit OMAD abnehmen?
Manche Menschen nehmen damit ab, andere kaum. In der Studie aus Beltsville blieb das Gewicht stabil, weil die Kalorienmenge so gewählt war, dass es gehalten wurde. Entscheidend ist, wie viel Sie in der einen Mahlzeit insgesamt essen, und das ist von Mensch zu Mensch sehr verschieden.
Wie viel Eiweiß brauche ich bei einer Mahlzeit am Tag?
Planen Sie etwa 1,0 bis 1,2 g pro Kilo Körpergewicht ein, bei 70 kg also rund 70 bis 85 g. Am leichtesten erreichen Sie das mit mehreren Eiweißquellen über drei Gänge, zum Beispiel Linsen, Hähnchen und Magerquark.
Darf ich OMAD jeden Tag machen?
Zu täglichem OMAD über Monate gibt es kaum Studien. Viele fahren mit zwei bis drei OMAD-Tagen pro Woche und 16:8 an den übrigen Tagen gut. Lassen Sie in jedem Fall nach acht Wochen Blutdruck und Blutfette prüfen.
Was darf ich in den 23 Stunden trinken?
Wasser, Mineralwasser, ungesüßten Tee und schwarzen Kaffee. Milch, Saft, Limo und Alkohol liefern Kalorien und gehören zur Mahlzeit.
Ist OMAD mit Sport vereinbar?
In einer kurzen Studie mit elf schlanken Erwachsenen blieben Kraft und Ausdauer nach elf Tagen mit einer Mahlzeit unverändert. Für den Muskelaufbau ist eine einzige Eiweißportion am Tag eher ungünstig. Wer Krafttraining macht, legt OMAD deshalb besser auf trainingsfreie Tage.
Fördert OMAD die Autophagie?
Beim Menschen gibt es keine verlässliche Zeitangabe, ab wann die Autophagie beim Fasten zunimmt, weil sie sich im Alltag kaum messen lässt. Die Stundenzahlen, die im Netz kursieren, sind Schätzungen. Als Grund für OMAD taugt sie deshalb wenig.
Verfolgen Sie Ihr Fasten mit FastTrack
Ein Fasten-Timer, der Ihrem Plan folgt, ein KI-Coach für die schweren Stunden und Mahlzeitenideen für Ihr Essensfenster.
FastTrack herunterladenMedizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und ersetzt keine professionelle ärztliche Beratung. Konsultieren Sie immer einen Arzt, bevor Sie einen Fasten- oder Ernährungsplan beginnen oder ändern, insbesondere wenn Sie an einer Vorerkrankung leiden, schwanger sind oder Medikamente einnehmen.
Quellen
- Stote KS, Baer DJ, Spears K et al. (2007). A controlled trial of reduced meal frequency without caloric restriction in healthy, normal-weight, middle-aged adults. Am J Clin Nutr, 85(4), 981-8. Auf PubMed ansehen
- Carlson O, Martin B, Stote KS et al. (2007). Impact of reduced meal frequency without caloric restriction on glucose regulation in healthy, normal-weight middle-aged men and women. Metabolism, 56(12), 1729-34. Auf PubMed ansehen
- Meessen ECE, Andresen H, van Barneveld T et al. (2021). Differential Effects of One Meal per Day in the Evening on Metabolic Health and Physical Performance in Lean Individuals. Front Physiol, 12, 771944. Auf PubMed ansehen
- Mamerow MM, Mettler JA, English KL et al. (2014). Dietary protein distribution positively influences 24-h muscle protein synthesis in healthy adults. J Nutr, 144(6), 876-80. Auf PubMed ansehen
- Sun Y, Rong S, Liu B et al. (2023). Meal Skipping and Shorter Meal Intervals Are Associated with Increased Risk of All-Cause and Cardiovascular Disease Mortality among US Adults. J Acad Nutr Diet, 123(3), 417-426.e3. Auf PubMed ansehen