Intervallfasten: der Gewichtsverlust nach 1 Woche
Viele erleben in den ersten Tagen Intervallfasten einen erstaunlich schnellen Rückgang auf der Waage und kurz darauf den ersten Sprung nach oben. Hier lesen Sie, woher beides kommt und woran Sie nach sieben Tagen erkennen, ob Ihr Plan trägt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Teil des schnellen Rückgangs der ersten Tage ist Wasser, das mit Glykogen gespeichert war. Es kehrt zurück, wenn Sie wieder mehr Kohlenhydrate essen.
- Über echten Fettverlust entscheidet die Energiebilanz. Das Tempo ist individuell und lässt mit der Zeit meist nach.
- In der TREAT-Studie nahm die 16:8-Gruppe ungefähr so viel ab wie eine Gruppe mit drei Mahlzeiten am Tag.
- Beurteilen Sie Woche 1 am Wochenmittel täglicher Messungen. Ein höherer Wert am Montag ist normal.
Sie haben mit dem 16:8-Fasten oder einem ähnlichen Rhythmus begonnen und stehen jeden Morgen gespannt auf der Waage. Die Zahl sinkt anfangs oft schneller als gedacht und springt dann wieder nach oben. Beides lässt sich gut erklären. Dieser Artikel geht die Woche in der Reihenfolge durch, in der Sie sie erleben.
Warum die Waage in der ersten Woche schnell fällt
Ihr Körper speichert Kohlenhydrate als Glykogen, unter anderem in Leber und Muskeln, und zwar zusammen mit Wasser: drei bis vier Teile Wasser pro Teil Glykogen (Kreitzman 1992). Greift Ihr Körper in den Fastenstunden auf diese Speicher zurück, geht das gebundene Wasser mit, und die Waage reagiert sofort.
Die Autoren sprechen von einer Illusion leichten Abnehmens. Kommen wieder reichlich Kohlenhydrate auf den Tisch, füllen sich die Speicher samt Wasser, und das Gewicht steigt stärker, als man erwarten würde. Gemessen haben die Autoren den Glykogenabbau bei elf Personen nach vier Tagen einer sehr kalorienarmen Diät. Beim Intervallfasten hängt die Stärke des Effekts davon ab, wie viele Kohlenhydrate Sie vorher gegessen haben und wie viele jetzt im Fenster landen.
Gut zu wissen: Der Rückgang der ersten Tage zeigt zunächst, dass Ihre Glykogenspeicher kleiner geworden sind. Rechnen Sie ihn deshalb nicht auf die kommenden Wochen hoch.
Was über echten Fettverlust entscheidet
Körperfett nimmt ab, wenn Sie über längere Zeit weniger Energie aufnehmen, als Ihr Körper verbraucht. Das Essensfenster kann dabei helfen. Ob daraus ein Defizit wird, entscheidet sich an dem, was im Fenster auf den Teller kommt.
Ein typisches Beispiel ist das Abendbrot. Wer bisher um 19 Uhr Brot mit Wurst und Käse gegessen und später vor dem Fernseher genascht hat, spart mit einem Fenster bis 20 Uhr vor allem die späten Snacks ein. Wird das Abendbrot dafür üppiger, bleibt vom Defizit wenig übrig. Dazu kommt Ihr Verbrauch: Ein großer, schwerer Mensch verbraucht mehr als eine kleine, leichte Person, und wer mit dem Rad zur Arbeit fährt, mehr als jemand, der den Tag am Schreibtisch verbringt.
Eine Rechnung zur Veranschaulichung: 300 Kilokalorien Defizit pro Tag ergeben in sieben Tagen 2.100 Kilokalorien. Nach der verbreiteten Faustregel von rund 7.700 Kilokalorien pro Kilo Körpergewicht wären das knapp 0,3 Kilo. Ein Vergleich mit sieben streng kontrollierten Abnehmstudien zeigte jedoch, dass diese Regel den tatsächlichen Gewichtsverlust deutlich überschätzt (Thomas 2013). Ihr Ergebnis kann also abweichen, und das Tempo wird mit der Zeit meist langsamer.
Wie viel im Fenster tatsächlich zusammenkommt, zeigt Ihnen eine Woche mit dem Mahlzeiten-Scan von FastTrack, der Kalorien und Makronährstoffe schätzt.
Was Studien zum Intervallfasten zeigen
Die bekannteste Studie zu 16:8 heißt TREAT. 116 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas aßen zwölf Wochen lang entweder nur zwischen 12 und 20 Uhr, ohne weitere Vorgaben, oder drei feste Mahlzeiten am Tag. Die Fastengruppe nahm im Schnitt 0,94 Kilo ab, die Vergleichsgruppe 0,68 Kilo, ein statistisch nicht signifikanter Unterschied. Das Zeitfenster allein war beim Abnehmen also nicht wirksamer als Essen über den ganzen Tag (Lowe 2020).
Eine Studie aus China ging weiter: 139 Menschen mit Adipositas sollten zwölf Monate lang weniger Kalorien essen, eine Gruppe zusätzlich nur zwischen 8 und 16 Uhr. Beim Gewicht unterschieden sich die Gruppen am Ende nicht signifikant, ebenso wenig bei Taillenumfang und Körperfett (Liu 2022).
Für Ihre erste Woche heißt das: Das Fenster ordnet den Tag und kann das Naschen am Abend begrenzen. Ob Sie abnehmen, entscheidet vor allem die Menge, die Sie insgesamt essen.
So beurteilen Sie Ihre erste Woche
Ein einzelner Morgenwert sagt wenig. Wiegen Sie sich jeden Morgen unter denselben Bedingungen, nach dem Toilettengang und vor dem ersten Kaffee, und bilden Sie am Ende der Woche den Mittelwert.
Wie sehr einzelne Tage täuschen, zeigt eine finnische Auswertung von 4.657 Messungen bei 80 Erwachsenen: Das Gewicht stieg ab Samstag und war am Sonntag und Montag am höchsten. Ab Dienstag sank es wieder. Die Autoren raten, diese Schwankung als normal zu betrachten (Orsama 2014).
Ein Beispiel: Am Sonntag gibt es bei der Familie Kaffee und Kuchen und abends Bratkartoffeln. Am Montag liegt die Zahl dann über der vom Freitag, weil die Kohlenhydrate die Glykogenspeicher samt Wasser wieder aufgefüllt haben. Legen Sie die Kaffeetafel in Ihr Fenster, bei einem Fenster von 12 bis 20 Uhr etwa auf 15 Uhr, und werten Sie den Montag als Teil des Wochenmittels.
Messen Sie außerdem am ersten und am siebten Tag Ihren Taillenumfang, immer an derselben Stelle, und achten Sie darauf, wie die Jeans am Bund sitzt. Nach einer Woche ändert sich daran oft wenig, für die folgenden Wochen sind es gute Vergleichswerte. Wie Sie nach vier Wochen Bilanz ziehen, lesen Sie im Beitrag zu den Ergebnissen nach einem Monat Intervallfasten.
| Was Sie in Woche 1 bemerken | Was es meist bedeutet | Was Sie tun |
|---|---|---|
| Die Waage fällt in den ersten Tagen deutlich | Glykogen und gebundenes Wasser nehmen ab | Den Wert nicht auf den Monat hochrechnen |
| Montags zeigt die Waage mehr als freitags | Das übliche Wochenendmuster | Weiter täglich wiegen, nur Wochenmittel vergleichen |
| Nach sieben Tagen kaum Veränderung | Wasserschwankungen, oder im Fenster wird so viel gegessen wie vorher | Eine zweite Woche messen, Portionen und Getränke notieren |
| Heißhunger im Fenster | Das Fenster ist für den Anfang zu eng, oder die Mahlzeiten halten nicht lange satt | Mit 14:10 beginnen, jede Mahlzeit um Eiweiß herum planen |
| Kopfschmerzen am Vormittag | Möglicherweise zu wenig getrunken | Über den Tag verteilt trinken, bei anhaltenden Beschwerden die Fastenzeit verkürzen |
Gewohnheiten, die in Woche 1 zählen
Eiweiß in jede Mahlzeit
In der vor Ort vermessenen Untergruppe von TREAT verlor die Fastengruppe etwas mehr fettfreie Masse an Armen und Beinen. Planen Sie deshalb jede Mahlzeit um eine Portion Eiweiß herum, etwa Quark, Eier, Linsen oder Fisch. Zum Abendbrot passt zum Beispiel Vollkornbrot mit Hüttenkäse und Radieschen.
Trinken und Salz
Wasser, Mineralwasser, ungesüßter Tee und schwarzer Kaffee passen in die Fastenzeit. Trinken Sie über den Tag verteilt, denn mit den ausgelassenen Mahlzeiten fehlt auch die Flüssigkeit aus dem Essen. Eine Prise Salz im Wasser ist in Ordnung, denn Salz bricht das Fasten nicht.
Schlaf
Eine kleine Studie aus Chicago ließ zehn Erwachsene mit Übergewicht zweimal 14 Tage lang moderat weniger essen, einmal mit 8,5 und einmal mit 5,5 Stunden Zeit zum Schlafen. Mit kurzem Schlaf war der Anteil des Gewichtsverlusts aus Fett um 55 Prozent kleiner, dafür ging mehr fettfreie Masse verloren (Nedeltcheva 2010). Auch der Hunger war größer. Die Studie ist klein, trotzdem lohnt es sich, in der ersten Woche zu festen Zeiten ins Bett zu gehen.
Das Feierabendbier
Bier und Wein haben Kalorien und gehören ins Essensfenster. Ein Feierabendbier um 21 Uhr verschiebt also Ihr Fenster oder bricht das Fasten, und oft kommen Chips dazu. Wer nicht ganz verzichten möchte, trinkt das Bier zum Abendbrot und danach Mineralwasser mit Zitrone.
Wann Sie aufhören und ärztlichen Rat suchen
Beenden Sie das Fasten und sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, wenn Sie Folgendes bemerken:
- Schwindel, der nach einem Glas Wasser und etwas Essen nicht vergeht, oder eine Ohnmacht
- Zittern, kalten Schweiß, Herzklopfen oder Verwirrtheit, vor allem wenn Sie Medikamente gegen Diabetes nehmen
- Anhaltende Übelkeit oder Erbrechen
- Gedanken, die nur noch um Essen und Waage kreisen, oder Essanfälle im Fenster
Wichtig: Fasten Sie bitte nicht in der Schwangerschaft oder Stillzeit und nicht vor dem 18. Geburtstag, ebenso wenig bei einer Essstörung, auch einer früheren. Wer Diabetes mit Insulin oder Tabletten behandelt, beginnt nur nach Rücksprache mit der Praxis, weil die Dosis womöglich angepasst werden muss.
Häufige Fragen zur ersten Woche
Wie viel nimmt man in der ersten Woche Intervallfasten ab?
Eine Zahl, die für alle gilt, gibt es nicht. Anfangs fällt die Waage oft schneller, weil mit dem Glykogen auch Wasser verloren geht. Wie viel Fett Sie verlieren, hängt vor allem davon ab, was Sie im Essensfenster essen, und ist individuell verschieden.
Warum bin ich nach dem Wochenende wieder schwerer?
Das ist ein bekanntes Muster: In einer finnischen Auswertung täglicher Messungen war das Gewicht am Sonntag und Montag am höchsten und sank ab Dienstag. Mehr Kohlenhydrate am Wochenende füllen die Glykogenspeicher samt Wasser auf. Vergleichen Sie deshalb Wochenmittel.
Wie oft sollte ich mich in der ersten Woche wiegen?
Am aussagekräftigsten ist tägliches Wiegen am Morgen, ausgewertet als Wochenmittel. Wenn Sie das unter Druck setzt, reicht einmal pro Woche, am besten in der Wochenmitte.
Nimmt man mit 16:8 mehr ab als mit drei Mahlzeiten am Tag?
Zwei bekannte Studien sprechen dagegen. In TREAT nahmen Teilnehmende mit 16:8 ungefähr so viel ab wie die Gruppe mit drei Mahlzeiten, und in einer zwölfmonatigen Studie aus China brachte ein Zeitfenster zusätzlich zur Kalorienreduktion keinen signifikanten Vorteil. Das Fenster hilft, wenn Sie dadurch insgesamt weniger essen.
Bereit für Ihre erste Woche? Laden Sie FastTrack herunter: Der Timer zeigt Ihnen die Phasen Ihres Fastens, und Ihr Gewicht tragen Sie jeden Morgen direkt in der App ein.
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzt keinen professionellen ärztlichen Rat. Konsultieren Sie immer eine medizinische Fachkraft, bevor Sie einen Fasten- oder Ernährungsplan beginnen oder ändern, insbesondere wenn Sie eine Erkrankung haben, schwanger sind oder Medikamente einnehmen.
Quellen:
- Kreitzman SN, Coxon AY, Szaz KF (1992). Glycogen storage: illusions of easy weight loss, excessive weight regain, and distortions in estimates of body composition. Am J Clin Nutr, 56(1 Suppl), 292S-293S. Auf PubMed ansehen
- Thomas DM, Martin CK, Lettieri S et al. (2013). Can a weight loss of one pound a week be achieved with a 3500-kcal deficit? Commentary on a commonly accepted rule. Int J Obes (Lond), 37(12), 1611-1613. Auf PubMed ansehen
- Lowe DA, Wu N, Rohdin-Bibby L et al. (2020). Effects of Time-Restricted Eating on Weight Loss and Other Metabolic Parameters in Women and Men With Overweight and Obesity: The TREAT Randomized Clinical Trial. JAMA Intern Med, 180(11), 1491-1499. Auf PubMed ansehen
- Liu D, Huang Y, Huang C et al. (2022). Calorie Restriction with or without Time-Restricted Eating in Weight Loss. N Engl J Med, 386(16), 1495-1504. Auf PubMed ansehen
- Orsama AL, Mattila E, Ermes M et al. (2014). Weight rhythms: weight increases during weekends and decreases during weekdays. Obes Facts, 7(1), 36-47. Auf PubMed ansehen
- Nedeltcheva AV, Kilkus JM, Imperial J et al. (2010). Insufficient sleep undermines dietary efforts to reduce adiposity. Ann Intern Med, 153(7), 435-441. Auf PubMed ansehen